Mit dem Neubau entsteht aktuell ein wegweisendes Verwaltungsgebäude für den Kanton Luzern. Der Hybridbau mit seinem markanten «Herz aus Holz» schafft moderne Arbeitswelten in konsequenter Nachhaltigkeit. Unter anderem dank Luzerner Staatsholz.
Bauprozess / Hybridbau / Mehrgeschossiger Holzbau
Die kantonale Verwaltung in Luzern bekommt ein Herz aus Holz
Markus Gabriel
Texter | 05.03.2026
Die neue kantonale Verwaltung von Luzern bekennt sich zu klaren Werten: Regionalität, Ökologie, Vielfalt. Am Seetalplatz in Emmen entsteht das neue Verwaltungsgebäude des Kantons Luzern, das auch Büros, Wohnungen und Freizeitangebote umfasst. Als sechsgeschossiger Sockelbau mit zehngeschossigem Hochhaus wird es zum Monument des nachhaltigen Holzbaus, was man aber auf den ersten Blick gar nicht erkennt. Im Innern jedoch wird offensichtlich, wie gross das kantonale Bekenntnis für die Ökologie ist: nämlich so gross wie 5'100 m2 Rundholz aus dem Luzerner Staatswald oder wie 200 voll beladene Transportlaster ab Renggli-Werk. Besonders markant und hölzig wird das Atrium erscheinen, das im Innenhof entsteht. Das sogenannte «Herz aus Holz» – vielleicht wäre hier sogar der Begriff «Kathedrale» angebracht – wird sich als zentraler Treffpunkt für die Mitarbeitenden empfehlen. Losinger Marazzi entwickelte zusammen mit Max Dulder Architekten und dem Holzbauingenieur Pirmin Jung das nachhaltige Gebäude und realisiert es als Totalunternehmerin. Renggli ist für den Holz-Hybrid-Bau verantwortlich, der beispielsweise Wandelemente von bis 4.5 Tonnen Gewicht und 12 Meter Länge vorsieht. Das bringt logistische Herausforderungen mit sich, schon lange bevor die 430 riesigen Holzbauelemente auf die Baustelle gelangen. Denn jedes verbaute Brett – so will es das ökologische Konzept des Kantons – soll aus der nachhaltigen Forstwirtschaft seiner eigenen Staatswälder gewonnen werden, von Luthern bis Hohenrain, quer durch den Kanton.
Die Logistikkette, von der Sägerei bis zur Montage, umfasst ausschliesslich Anbieter aus der Region. Bei den nicht alltäglichen Dimensionen des Baus und der Bauelemente ist, wie so oft, die Baustelle selbst das logistische Nadelöhr. Die angrenzenden Kantonsstrassen schliessen so nahe an, dass zwischen der Strasse und der Baustelle oftmals nur eine Trottoirbreite für das Rangieren oder Anliefern der Waren zur Verfügung steht. Allein die verwendeten Fermacell-Platten entsprechen etwa der Fläche von vier Fussballfeldern.
Während die Holzbauweise den CO₂-Fussabdruck minimiert, speisen Photovoltaikanlagen auf Dach und Fassade Ökostrom ins Netz. Am Ende soll das Gebäude, das für 2'000 Mitarbeitende konzipiert ist, ökologische Werte erreichen, die die Nachhaltigkeitslabels SNBS Gold und Minergie-P-ECO verdienen.
Ein Teil dieses prestigeträchtigen Projekts zu sein, lässt mein Zimmermannsherz höherschlagen und erfüllt mich mit Stolz. Matthias Schmidiger, Projektleiter Holzbau
Die kurzen Wege der 5'100 m3 Holz zwischen Wald und Baustelle
Bevor Renggli Hand anlegt, wird das Holz in insgesamt 12 Staatswaldgebieten geschlagen und zum Sägewerk Josef Wyss AG in Büron transportiert. Die Vollholzbretter werden anschliessend bei der Schilliger Holz AG in Küssnacht zu Konstruktionsholz und bei der Roth Burgdorf AG in Burgdorf zum Holztragwerk und zu Brettschichtholz verarbeitet, während das Imprägnierwerk AG in Willisau daraus die Fassadenschalungen herstellt. Die Tschopp Holzbau AG in Hochdorf fertigt die Massivholzdecken und liefern sie zuhanden Renggli direkt auf die Baustelle.
1'072 Fenster inkl. Fensterzargen und Storen
Der Vorteil der Vorfertigung im Werk ist klar: Arbeiten wie der Zargen- und Storeneinbau in Fensterelemente lassen sich im Werk rationeller, präziser und schneller bewerkstelligen. Trotzdem sind Anlieferkoordination, Bearbeitung und Qualitätskontrolle bei 1'072 Fenstern kein Pappenstiel. Unter anderem müssen für die Sicherstellung des Brandschutzes beispielsweise 27'000 m2 Fermacell- Platten verbaut werden.
Enge Verhältnisse zum Rangieren und Montieren
So viel Material und so wenig Platz! Die Baustelle in Emmen ist verkehrstechnisch sehr gut gelegen, aber die Kantonsstrassen grenzen direkt an die Baustelle. Wenn der Platz für grosse Materiallager fehlt, ist präzises Timing gefragt: Was geliefert wird, muss sogleich verbaut werden, bzw. was für die Montage gebraucht wird, muss pünktlich und in der richtigen Reihenfolge geliefert werden. Eine logistische Herausforderung, der wir uns gerne annehmen.
Das «Herz aus Holz»: Begegnungsraum für die Mitarbeitenden
Im Atrium der neuen Kantonsverwaltung kommen die massiven, zum Teil 4.5 Tonnen schweren Holzelemente zum Vorschein und zur Geltung. Das Atrium befindet sich im Innenhof des Gebäudes und dient als zentraler Treffpunkt für die 2'000 Mitarbeitenden. Das von aussen nicht erkennbare «Herz aus Holz» ist ein eindrückliches Manifest und Bekenntnis zu ökologischem Bauen in Holz und nachhaltiger Kreislaufwirtschaft.
| Bauherrschaft | Kanton Luzern |
| Architektur | Max Dudler Architekten AG |
| Immobilienentwicklerin/Totalunternehmerin | Losinger Marazzi AG |
| Engineering | Pirmin Jung Schweiz AG |
| Baujahre (Holzbau) | 2024–2025 |
| Baustandard (angestrebt) | SNBS Zertifikat Gold | Minergie-P-ECO |
| Konstruktion | Hybridbau |
| Nutzung | Büro/Verwaltung, Wohnungen, Gewerbe, Restaurant, Kita, Polizeiposten |
| Leistungen Renggli AG | Holzbau (6- bis 10-geschossiges Gebäude mit einem «Herz aus Holz») |
Über den Autor
Markus Gabriel ist Inhaber und Creative Director bei der Agentur Angelink. Er schreibt seit Jahren Texte für das Renggli-Kundenmagazin «Faktor Raum».
Visualisierung: Stand Planungsphase