Gewünscht war kein Museum, auch kein Indoor-Spielplatz. In St. Pölten sollte es ein «Raum der Möglichkeiten» werden für Kinder bis zwölf aus allen sozialen Schichten. Entstanden ist das KinderKunstLabor, ein Kulturbau der besonders kindernahen Art.
Zurecht hat St. Pölten für das KinderKunst-Labor, ein viergeschossiger Holzbau, der zwischen Altstadt und Kulturbezirk eine neue Landmarke setzt, den Bauherr:innenpreis 2024 erhalten. Aber alleine hätten die Erwachsenen das nicht hinbekommen. Ein Kinderbeirat aus Kindergarten- und Schulgruppen hat den Architekten mit seinen Vorstellungen von Architektur unter die Arme gegriffen. Entstanden ist dabei nicht etwa eine Villa Kunterbunt, sondern ein angenehm ruhiger Bau. In den künstlerischen Erfahrungsräumen, die spielerisch miteinander verknüpft sind, können sich Erwachsene schon mal verlaufen. Nicht so die Kinder, die sich hier sofort zu Hause fühlen.
Ein physisches Experiment
Die Architekten des Wiener Architekturbüros Schenker Salvi Weber verfolgten in der Zusammenarbeit mit dem Kinderbeirat einen kompromisslosen Entwurfsansatz. Sie arbeiteten ausschliesslich im physischen Modell – ein Vorgehen, das die gesamte Ästhetik des Baus prägt. Eine hinterlüftete Holzlamellen-Fassade verleiht dem Baukörper, der an einen überdimensionalen dreieckigen Spielbaustein erinnert, eine wunderbare Leichtigkeit und Offenheit. Sie gewährt von aussen Einblicke entlang der multifunktionalen Helixtreppe und sorgt im Inneren für anregende Licht- und Schattenspiele.
Betonbaum als Holzträger
In der Mitte des Gebäudes trägt eine baumähnliche Betonstütze mit sechs Ästen und drei massiven Betonscheiben die ganze Holzkonstruktion. Sie referenziert formal die umstehenden Bäume des Altoonaparks. Die Helixtreppe, die man als zentralen Erfahrungsraum bezeichnen kann, dient zum Basteln, Werken, Ausstellen und vielleicht auch zum Herumtoben. In einem der beliebtesten Räume hängt von der Decke eine textile Netzlandschaft der japanischen Künstlerin Toshiko Horiuchi. Und dieses Kunstwerk lädt nicht nur zum Betrachten, sondern auch zum Klettern ein.
| Bauherrschaft | Landeshauptstadt St. Pölten |
| Architektur | Schenker Salvi Weber Architekten ZT GmbH |
| Holzbau | Hubert Wutzl GmbH |
| Tragwerksplanung | Werner Sobek AG |
| Baujahre | 2021–2024 |
| Konstruktion | Holzhybridgebäude |
| Auszeichnungen | Best Architects Award 2026 Design Educates Awards 2025 – Bronze Prize Staatspreis für Architektur 2025 – Nominierung Mies van der Rohe Award – Nominierung austria-architects – Bau des Jahres 2024 ZV – Bauherr:innenpreis 2024 – 1. Preis |