Lebendiges Miteinander – wie ein Treffen im Park

Architektur / Generalunternehmung

Lebendiges Miteinander – wie ein Treffen im Park

Markus Gabriel
Texter | 03.02.2026

Wie früher die Kinder haben heute im Gässlifeld die Betagten gut lachen. Das Gässlifeld war früher eine Spielwiese für Kinder. Doch wegen wachsenden Bedarfs erwarb die Genossenschaft Wohnen im Alter das Grundstück 2012 für eine deutlich ältere Klientel.

Zwei Gebäude, ein Event-Pavillon und parkartige Begegnungszonen – gemeinschaftliches Wohnen im Alter.
Zwei Gebäude, ein Event-Pavillon und parkartige Begegnungszonen – gemeinschaftliches Wohnen im Alter.
Der Pavillon in der Mitte der Anlage dient als Gemeinschaftsraum für allerlei Anlässe, offene und private.
Der Pavillon in der Mitte der Anlage dient als Gemeinschaftsraum für allerlei Anlässe, offene und private.

«Spielwiese wird zur Alters-Wohlfühloase»

So titelte 2016 der «Willisauer Bote» über das Projekt Gässlifeld. Die Warteliste für altersgerechte Wohnungen in bestehenden Einrichtungen wurde in Reiden immer länger. Darum plante die Genossenschaft, auf dem Grundstück altersgerechte Wohnungen zu bauen. Vorgabe aus der Zonenordnung: Maximal 20 Prozent davon dürfen an Nicht- Betagte vermietet werden.

Ein Fall für die Genossenschaft WIA (Wohnen im Alter)

Genau auf solche Bauvorhaben ist die Reidener Genossenschaft WIA spezialisiert. Sie übernahm von der Gemeinde das Grundstück, um es seiner Bestimmung zuzuführen. Im Gässlifeld realisierte die Genossenschaft 28 Wohnungen, verteilt auf zwei Mehrfamilienhäuser, in der Grösse von 2.5 und 3.5 Zimmern. So schuf sie einen bemerkenswerten Ort, an dem ältere Menschen selbstbestimmt und gemeinschaftlich leben können. Wie die architektonische Lösung ausschauen sollte, davon hatte Franz Purtschert, heutiger Präsident der WIA, zunächst keine Vorstellung. Es existierten zwar zwei Vorprojekte (Holz- sowie Massivbau), die im Vorstand zu vielen Diskussionen um Details, aber nicht zu einer klaren Überzeugung
führten.

Franz Purtschert, Präsident Genossenschaft WIA
Quotes
Die Transparenz der Kostenentwicklung während der ganzen Bauphase und bei Bestellungsänderungen sehe ich rückblickend als sehr grossen Pluspunkt an. Franz Purtschert, Präsident Genossenschaft WIA
Maria Giger-Jurt, Bewohnerin Gässlifeld WIA Reiden
Quotes
Mir gefällt es super hier, und wir haben es so gut miteinander. Es ist eine wahre Freude. Maria Giger-Jurt, Bewohnerin Gässlifeld WIA Reiden

Ein Fall für einen erfahrenen TU

Als damaliger Chef des Ressorts Bau wurde Franz Purtschert klar, dass das Projekt wohl am besten in die Hände eines erfahrenen Totalunternehmers gelegt werden sollte, der mit den hohen Auflagen des alters- und behindertengerechten Wohnbaus vertraut war. Nicht alle im Vorstand waren einverstanden mit einem Holzbau und einem Vorgehen «ohne Architekturbüro». «Ich suchte jemand, der die vielen Ideen in einer Machbarkeitsanalyse kanalisieren konnte.» Kurz entschlossen schaute Franz Purtschert damals ohne Termin einfach mal bei Renggli vorbei, bloss mit einem A4-Blatt und einem Foto aus dem Grundbuchplan im Gepäck. Das war der Beginn fachkundiger Gespräche und einer vertrauensvollen Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Auch während der Realisierungsphasen sprudelten die Ideen weiter. Aber nun wurden sie von Renggli mit professionellen Einschätzungen und mit transparenten Kostenfolgen zurückgespiegelt. Dieses Vorgehen und diese Transparenz führten dazu, dass die Extras während der Bauphase mit nur 0.3 Prozent Mehrkosten zu Buche schlugen. Die Wohnungsmieten bewegten sich gleichwohl im marktüblichen Preisrahmen. Dieser Markt-Fit bei Holzbauten habe viele erstaunt, sagt Franz Purtschert. Diese Aussage ist umso höher zu gewichten, weil die Anforderungen an altersgerechtes Bauen sehr hoch sind – zum Beispiel an Wasserhähne und Küchengriffe, Stützvorrichtungen in Nasszellen, Glastüren, Liftgrösse, Treppenpodeste für Pausen …

Helle, freundliche und grosszügige Wohnungen

Die ökologischen Werte und die Wohnqualität sind dank der Holzbauweise überdurchschnittlich. Zusätzlich sorgen die Photovoltaikanlagen auf beiden Dächern, die Erdsondenheizung und die integrierte Lüftung für eine mustergültige Gesamtbilanz. Die hellen, grosszügigen Räume strahlen Wärme und Behaglichkeit aus. Zum Komfort gehört auch, dass die Bewohner sämtliche Türen bequem mit einem Batch öffnen können – vom Holzverschlag im Keller über die automatischen Zugangstüren bis zum Briefkasten.

Lebendiges Miteinander – wie ein Treffen im Park

Grossen Wert legte die Bauherrschaft auch auf einen frühzeitigen und professionellen Einbezug eines Landschaftsarchitekturbüros. Damit konnte zum Beispiel der Terrainverlauf in einer frühen Planungsphase berücksichtigt werden. Das Resultat bereitet heute den Seniorinnen und Senioren besondere Freude. Der Umschwung präsentiert sich wie ein kleiner Park und bietet gemeinschaftliche Extras wie verschiedene Sitzgelegenheiten, Bocciabahn und Hochbeete, die rege genutzt werden. Dank Tiefgarage bleibt die Zone verkehrsfrei.

Das eigentliche Begegnungszentrum ist der Pavillon in der Mitte der Anlage. Hier wird gejasst und gesungen, hier finden Apéros und Familienfeste statt. Alle paar Wochen organisiert die WIA einen Treff im Pavillon für alle Mieterinnen und Mieter mit Kaffee und Infos aus der Verwaltung. Man sieht es: Den Leuten im Gässlifeld geht es gut, sie fühlen sich wohl. Ganz im Sinne der Genossenschaft WIA: gemeinsam statt einsam älter werden.

Wohnzimmer mit Eingang zum hindernisfreien Badezimmer und dem Balkon
Die Bewohner im Gässlifeld schätzen die grosszügigen, hellen und altersgerechten Wohnungen.
Küchenzeile
Küchenzeile mit Wohnzimmer und blick auf den Balkon
Hindernissfreies Badezimmer mit ebenerdiger Dusche und Waschturm
Vier Bewohnerinnen beim Jassen
«Lieber gemeinsam statt einsam älter werden.»
Bewohnerinnen im Garten im Gespräch
Wo sich Sitzgelegenheiten befinden, ist eine Gesprächspartnerin oder ein Gesprächspartner nicht weit.
Ein Hochbeet für Gemüse mit zwei Bewohnerinnen an der Arbeit
Hochbeete laden zum Fachsimpeln ein.

Details zum Bauprojekt

BauherrschaftBaugenossenschaft Wohnen im Alter WIA Reiden
ArchitekturRenggli AG
Baujahre2020–2021
BaustandardMinergie
KonstruktionHolzsystembau
FassadeFaserzement-Wellplatten
NutzungZwei Mehrfamilienhäuser mit total 28 Wohnungen
Leistungen Renggli AGTotalunternehmung
Architektur
Holzbau-Engineering (Statik und Bausystem | Brandschutz | Schallschutz und Akustik | Energie, Wärme- und Feuchteschutz)
Holzbau

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