Mehrgeschossiger Holzbau / World Wide Wood
Eines steht, eines ist in Planung: Hochhäuser aus Holz
Markus Gabriel
Texter | 06.01.2015
Es sind spannende Zeiten für den Holzsystembau. Wie ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, werden wir in ein paar Jahren bereits vor einem Wolkenkratzer aus Holz stehen und uns fragen, warum das so lange gedauert hat.
Dornbirn: Lifecycle Tower One
© Architekten Hermann Kaufmann
Mit etwas Neid blicken wir Richtung Österreich, wo das grösste Holzgebäude acht Geschosse in den Himmel ragt: der Lifecycle Tower One. In der Schweiz waren bis anhin maximal sechs Stockwerke erlaubt. Erst seit ein paar Tagen (01.01.2015) sind Gebäudehöhen bis 30 Meter, mit Einschränkungen bis 100 Meter möglich.
Der 2012 fertiggestellte LCT One entspringt einem Baukastensystem aus flexiblen Holzfertigteilen, getragen von einem sichtbaren Holztragwerk im Zentrum. Dass ein Holzhaus, den Brandschutzvorschriften genügend, überhaupt 27 Meter in die Höhe wachsen darf, verdankt es seiner Holz-Beton-Verbundrippendecke. Sie trennt die Geschosse konsequent durch eine nicht brennbare Schicht. Mit diesem geglückten Prototypen der Hermann Kaufmann Architekten wollte man auch die Umsetzungs- und Praxistauglichkeit des speziell dafür entwickelten Holzbausystems erforschen. Denn die Ambitionen für diese Bauweise im Holz-Beton-Verbund zielen dramatisch höher: Von 20 Stockwerken ist die Rede. Der Vorarlberger Holzbaupreis 2013 für innovative Holzanwendungen bestätigt denn auch, dass man mit Holz hoch hinaus kommt, wenn man mutig ans Werk geht. Die Österreicher lehren uns: Die Zukunft des Holzsystembaus hat erst begonnen.
Stockholm: Västerbroplan

© C. F. Moller, Stockholm

© C. F. Moller, Stockholm
Stockholm will noch höher hinaus. Im Jahr 2023 soll ein Wolkenkratzer aus Holz mit sagenhaften 34 Stockwerken mitten in der Stockholmer Innenstadt zu einem neuen Wahrzeichen werden.
Stockholms grösste Wohnungsbaugesellschaft HSB und ein Publikumsvoting auf Facebook haben mit grossem Abstand das Projekt Västerbroplan der C. F. Møller Architects zum Sieger eines Wettbewerbs erkoren. Die HSB hat diesen im Hinblick auf ihr 100-Jahr-Jubiläum lanciert. Der Wohnturm, aussen ganz in Holz, wird im Innern von einem Betonkern getragen. Wo nötig, wird auch Stahl zur Verstärkung und Aussteifung eingesetzt. Interessantes Detail für alle, die Holz und Brandschutz im Kopf noch nicht zusammenbringen: Die Stahlträger werden zum Schutz vor Feuer ... mit Vollholz ummantelt! Denn ab einer gewissen Temperatur knickt Stahl ein, während verkohlendes Holz noch lange seine statischen Eigenschaften behält. Wir sind begeistert und hoffen, dass wir in der Schweiz alsbald mit Ähnlichem auffahren werden.
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Update vom 30.08.2021 via Timber Pioneer: Das Dorf liegt in der Stadt
Über den Autor
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Markus Gabriel ist Inhaber und Creative Director bei der Agentur Angelink. Er schreibt seit Jahren Texte für das Renggli-Kundenmagazin „Faktor Raum". |
