Es sind spannende Zeiten für den Holzsystembau. Wie ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, werden wir in ein paar Jahren bereits vor einem Wolkenkratzer aus Holz stehen und uns fragen, warum das so lange gedauert hat.

Dornbirn: Lifecycle Tower One

Dornbirn: Lifecycle Tower One

© Architekten Hermann Kaufmann

Mit etwas Neid blicken wir Richtung Österreich, wo das grösste Holzgebäude acht Geschosse in den Himmel ragt: der Lifecycle Tower One. In der Schweiz waren bis anhin maximal sechs Stockwerke erlaubt. Erst seit ein paar Tagen (01.01.2015) sind Gebäudehöhen bis 30 Meter, mit Einschränkungen bis 100 Meter möglich.

Der 2012 fertiggestellte LCT One entspringt einem Baukastensystem aus flexiblen Holzfertigteilen, getragen von einem sichtbaren Holztragwerk im Zentrum. Dass ein Holzhaus, den Brandschutzvorschriften genügend, überhaupt 27 Meter in die Höhe wachsen darf, verdankt es seiner Holz-Beton-Verbundrippendecke. Sie trennt die Geschosse konsequent durch eine nicht brennbare Schicht. Mit diesem geglückten Prototypen der Hermann Kaufmann Architekten wollte man auch die Umsetzungs- und Praxistauglichkeit des speziell dafür entwickelten Holzbausystems erforschen. Denn die Ambitionen für diese Bauweise im Holz-Beton-Verbund zielen dramatisch höher: Von 20 Stockwerken ist die Rede. Der Vorarlberger Holzbaupreis 2013 für innovative Holzanwendungen bestätigt denn auch, dass man mit Holz hoch hinaus kommt, wenn man mutig ans Werk geht. Die Österreicher lehren uns: Die Zukunft des Holzsystembaus hat erst begonnen.

Stockholm: Västerbroplan

Stockholm: Västerbroplan

© C. F. Moller, Stockholm

Stockholm: Västerbroplan

© C. F. Moller, Stockholm

Stockholm will noch höher hinaus. Im Jahr 2023 soll ein Wolkenkratzer aus Holz mit sagenhaften 34 Stockwerken mitten in der Stockholmer Innenstadt zu einem neuen Wahrzeichen werden.

Stockholms grösste Wohnungsbaugesellschaft HSB und ein Publikumsvoting auf Facebook haben mit grossem Abstand das Projekt Västerbroplan der C. F. Møller Architects zum Sieger eines Wettbewerbs erkoren. Die HSB hat diesen im Hinblick auf ihr 100-Jahr-Jubiläum lanciert. Der Wohnturm, aussen ganz in Holz, wird im Innern von einem Betonkern getragen. Wo nötig, wird auch Stahl zur Verstärkung und Aussteifung eingesetzt. Interessantes Detail für alle, die Holz und Brandschutz im Kopf noch nicht zusammenbringen: Die Stahlträger werden zum Schutz vor Feuer ... mit Vollholz ummantelt! Denn ab einer gewissen Temperatur knickt Stahl ein, während verkohlendes Holz noch lange seine statischen Eigenschaften behält. Wir sind begeistert und hoffen, dass wir in der Schweiz alsbald mit Ähnlichem auffahren werden.

Mehr Informationen

Link-Icon www.creebyrhomberg.com
Link-Icon www.cfmoller.com

Über den Autor

Porträtfoto des Texters Markus Gabriel 

Markus Gabriel ist Inhaber und Creative Director bei der Agentur Angelink. Er schreibt seit Jahren Texte für das Renggli-Kundenmagazin „Faktor Raum".

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Kommentare zu
«Eines steht, eines ist in Planung: Hochhäuser aus Holz»

Kommentare (2)

    13.07.2016

    Martin Cesna

    Hübsche Bildchen und die Werbung mit "Natur" erwischt fast jeden Ahnungslosen.
    Die Technik dahinter, samit ihren Gefahren muss auch erwähnt werden: Holz in unseren Breitengraden benötigt Schutz gegen Regen, Feuchtigkeit und das UV-Licht, was zerstörerisch wirkt. Ausserdem "arbeitet" Holz erheblich, was nicht jeder Anstrich mitmacht, der auch immer wieder erneuert werden muss.
    Ein Vorteil von Stein ist sein Gewicht, was die Lärmübertragung massiv mindert.
    In porösen Strukturen kann ein umgekippter Eimer Wasser verheerend wirken, da das Wasser "versickert", mit entsprechenden (schimmelnden) Spätfolgen.
    Holz hat oft auch eine gewisse innere Spannung, was auf Dauer zu Spannungsrissen und -Brüchen führt. Damit werden tiefere Strukturen freigelegt.
    Dunkel gefärbtes Holz kann sich im Sommer ganz ordentlich aufheizen, was in der Struktur zu Spannungen führt, sind tiefere Schichten doch weniger warm.
    Im Winter findet sich immer eine Lücke, in der sich Naturholz mit Wasser vollsaugen kann, nachts sprengt dann die Eisbildung weitere Holzstrukturen auf.
    Im Aussenbereich ist Holz daher aus meiner Sicht eher ein kritischer Baustoff.
    Ziegelsteine sind eigentlich am unkompliziertesten, die müssen nicht einmal verputzt werden.

    14.07.2016

    Jeanine Troehler, Renggli AG

    Guten Tag Herr Cesna

    Danke für Ihre Rückmeldung. So wie wir lesen, sind Sie nicht überzeugt vom Baustoff Holz. Das ist Ihr Recht. Was Sie schreiben, hinterlässt bei uns jedoch den Eindruck, dass nicht Profis am Werk waren. Richtig konstruiert, eingesetzt und ausgeführt, ist Holz der perfekte Baustoff - für die Konstruktion genauso wie für die Fassade. Das wissen wir aus jahrelanger Erfahrung. Und nicht nur wir, sondern auch unsere Vorfahren: In der Innerschweiz werden nach wie vor Holzhäuser bewohnt, die im Mittelalter gebaut worden sind.

    In diesem Sinne: Entscheiden Sie sich für den Baustoff, der zu Ihnen passt und von dem Sie überzeugt sind.

    Freundliche Grüsse, Ihre Renggli AG

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