Wer denkt, auf den Baustellen gehe es immer nur rauh zu und her, irrt: Ich erlebe immer wieder freudige und staunende Reaktionen von Kunden und Partnern. Momentan leite ich eine Baustelle, die es in sich hat – die neuen Brandschutzvorschriften, gültig seit anfangs 2015, lassen grüssen.

Jahrelang durften wir es nicht oder nur mit einer Ausnahmebewilligung machen. Technisch war es schon lange möglich. Seit dem 1. Januar 2015 ist jedoch es offiziell erlaubt: Dank der neuen Brandschutzvorschriften dürfen wir den Liftschacht aus Holz realisieren. Und das führt bei einigen Besuchern auf einer meiner aktuellen Baustellen zu grossem Staunen.

Unverkleideter Liftschacht aus Holz in der Bauphase, seitlich fotografiert.

Das bestaunte Objekt: Ein Liftschacht aus Holz.

Neue Normen ermöglichen Liftschächte aus Holz

Mit den neuen Brandschutzvorschriften dürfen Liftschächte aus brennbarem Material erstellt werden. Die Voraussetzung dafür ist, dass sie innen und im vorliegenden Fall auch aussen mit nicht brennbarem Material verkleidet sind. Es muss eine sogenannte «Brandschutzplatte 30-RF1» sein. 30 steht für die Anzahl Minuten Feuerwiderstand. RF (réaction au feu) ist die Klassifizierung des Brandverhaltens von Baustoffen. Es gibt vier Kategorien – 1 ist die höchste davon: Diese Materialien brennen nicht und entsprechen den Brandkennziffern 6.3 bzw. 6q.3. Wir werden dafür Fermacellplatten mit Klammern und Schrauben montieren und so den Liftschacht aus Holz innen und aussen verkleiden. Fugen werden wir mit einem brandschutztechnisch wirksamen Kitt schliessen.

Welche Vorteile bietet ein Liftschacht aus Holz?

  • Wir haben die drei Elemente für den Liftschacht in zwei Stunden montiert. Betonieren hätte mindestens nur für den Liftschacht zwei Wochen in Anspruch genommen – ohne Austrocknungszeit.
  • Die Elemente sind bereits in sich ausgesteift und lärmschutztechnisch mit einem Zwischenraum vom Rest des Gebäudes abgekoppelt. Später werden wir den Liftschacht treppenhausseitig schalltechnisch isolieren und mit Gipskartonplatten beplanken.
  • Die Montage ist einfacher, weil wir die Anschlüsse und Verankerungen mit Holz verbinden. Und der Lift steht von selbst - er ist lediglich oben mit der Dachkonstruktion verbunden.
  • Mit Holz können wir viel genauer arbeiten: Wir haben eine Toleranz im Millimeterbereich. Damit ist es z.B. einfacher, die Fenster, Türen und Treppenausstritte genau zu positionieren.

Diese Vorteile zusammen reduzieren gesamthaft die Kosten für den Liftschacht.

Unverkleideter Liftschacht aus Holz in der Bauphase, von vorne fotografiert.

Gut sichtbar ist hier der Anschluss der Boden-/Deckenplatten im Holzsystembau

Links: Mit Gipsfaserplatten verkleideter Liftschacht aus Holz von vorne mit Sicherheits-Absturzsicherung gem. SUVA-Vorschrift. Rechts: Das Treppenhaus in Holzsystembau mit grauen Gipsfaserplatten beplankt und dem Treppenlauf aus vorfabrizierten Betonelementen.

Den Liftschacht aus Holz haben wir mit nicht brennbaren Gipsfaserplatten beplankt. Damit erfüllt er die Brandschutzanforderung an das Bauteil RF1.

Unsere Holzbauingenieure finden diesen ersten Liftschacht in Holz für ein Renggli-Gebäude sehr spannend. Nicht alle Tage können sie Details komplett neu entwickeln. Und für uns alle ist es ein grosser Vertrauensbeweis unseres Kunden: Er vertraut uns, dass wir unsere Arbeit präzise und zu seiner vollsten Zufriedenheit erledigen.

Treppenhaus in Holz

In einem weiteren Beitrag werfe ich einen Blick auf das Treppenhaus in Holz. Das darf jetzt auch mit bis zu 30 Meter Höhe in Holz gebaut werden.

Link-Icon Treppenhaus in Holz

Kommentare zu
«Ein Liftschacht aus Holz»

Kommentare (2)

    09.01.2018

    Rene Berchten

    Finde ich super, werde das auch bei meinem Altstadt-Sannierungsobjekt so machen !
    Wieso immer einen gemauerten Schacht mit Steinen/Ziegel welche viel Energie zur Herstellung verbrauchen, anstatt mit Holz, welches natürlich nach wächst.
    Hut ab und Gratulation
    Rene (aus Steckborn am Bodensee)

    10.01.2018

    jtroehler

    Vielen Dank für Ihr schönes Kompliment Herr Berchten!
    Jeanine Troehler, Renggli AG

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