Energetische Sanierungen sind ein zentraler Hebel, um den Energieverbrauch von Gebäuden zu senken und die Klimaziele zu erreichen. Gleichzeitig stehen Bauherrschaften, Planende und Bauunternehmen vor einer anspruchsvollen Aufgabe: Wie lässt sich ein Gebäude modernisieren, ohne die Bewohnenden über Monate hinweg mit Lärm, Staub und Einschränkungen zu belasten?
Im Rahmen eines Renggli-Webinars zeigten die Fachexperten François Beaud (F. Baud & T. Früh SA) und Kevin Partensky (Renggli SA), wie moderne Holzsystembaulösungen diese Herausforderung lösen können. Anhand konkreter Praxisbeispiele wurde deutlich, weshalb die industrielle Holzvorfertigung heute zu den effizientesten Methoden für die energetische Sanierung im Bestand zählt.
Der Schlüssel liegt in der Vorfertigung
Der grösste Vorteil der Holzvorfertigung besteht darin, dass ein Grossteil der Arbeiten nicht auf der Baustelle, sondern in der Werkhalle ausgeführt wird. Fassaden-, Dach- oder sogar komplette Raummodule werden unter kontrollierten Bedingungen produziert und anschliessend montagebereit auf die Baustelle geliefert.
Dadurch verlagern sich Lärm, Staub und viele witterungsabhängige Arbeiten von der Baustelle in die Produktion. Die eigentliche Montage vor Ort verkürzt sich erheblich, und die Belastung für Bewohnende und die Nachbarschaft sinkt deutlich.
Nicht nur die Holzbauelemente werden im Werk vorgefertigt, sondern es besteht auch die Möglichkeit, bereits im Werk Fenster, Storen, Wärmedämmungen sowie Fassadenbekleidungen einzubauen.
Präzise Planung als Grundlage
Damit die vorgefertigten Bauteile millimetergenau passen, beginnt jedes Projekt mit einer detaillierten Bestandsaufnahme. Moderne 3D-Laserscanner erfassen bestehende Gebäude äusserst präzise und liefern die Grundlage für ein digitales Gebäudemodell.
Mithilfe von BIM lassen sich Anschlüsse, technische Installationen und potenzielle Konflikte bereits in der Planungsphase erkennen. Selbst Unebenheiten, Massabweichungen oder hervorstehende Bauteile aus früheren Bauphasen werden frühzeitig sichtbar und können berücksichtigt werden, bevor die Produktion beginnt.
Diese digitale Planung schafft nicht nur Sicherheit, sondern verbessert auch die spätere Ausführungsqualität und Energieeffizienz.
Qualität aus der Werkhalle
Die Produktion erfolgt mit computergesteuerten CNC-Maschinen. Im Vergleich zur herkömmlichen Baustellenfertigung entstehen dadurch besonders präzise Bauteile unter gleichbleibenden Bedingungen – unabhängig vom Wetter.
Ein weiterer Vorteil: Die industrielle Fertigung ermöglicht eine hohe Luftdichtheit der Gebäudehülle. Dadurch lassen sich ambitionierte Energiestandards wie Minergie oder Minergie-P zuverlässiger erreichen als bei vielen konventionellen Bauweisen.
Nach der Montage bestätigen Luftdichtheitsprüfungen und thermische Kontrollen die Qualität der Ausführung.
Sanieren bei laufendem Betrieb
Besonders interessant ist die Holzvorfertigung bei bewohnten Gebäuden. Wasser, Strom, Zugänge und Verkehrswege müssen während der Bauzeit weiterhin funktionieren.
Dank vorgefertigter Fassadenelemente mit bereits eingebauten Fenstern bleibt die bestehende Gebäudehülle während der Montage weitgehend geschlossen. In vielen Fällen sind die Wohnungen zu keinem Zeitpunkt direkt Wind und Wetter ausgesetzt.
Auch die Baustellenlogistik wird frühzeitig geplant. Die Elemente werden häufig nach dem Just-in-Time-Prinzip angeliefert und direkt montiert. Zusätzliche Lagerflächen sind kaum notwendig, was insbesondere in dicht bebauten Quartieren ein grosser Vorteil ist.
Klare Sicherheitskonzepte, getrennte Verkehrswege und eine transparente Kommunikation mit den Bewohnern tragen zusätzlich zu einem reibungslosen Ablauf bei.