Energetische Sanierung im bewohnten Gebäude: Wie Holzvorfertigung die Modernisierung vereinfacht

Energieeffizienz

Energetische Sanierung im bewohnten Gebäude: Wie Holzvorfertigung die Modernisierung vereinfacht

Andrea Arnold
Marketing/Kommunikation | 11.08.2026

Energetische Sanierungen sind ein zentraler Hebel, um den Energieverbrauch von Gebäuden zu senken und die Klimaziele zu erreichen. Gleichzeitig stehen Bauherrschaften, Planende und Bauunternehmen vor einer anspruchsvollen Aufgabe: Wie lässt sich ein Gebäude modernisieren, ohne die Bewohnenden über Monate hinweg mit Lärm, Staub und Einschränkungen zu belasten?

Im Rahmen eines Renggli-Webinars zeigten die Fachexperten François Beaud (F. Baud & T. Früh SA) und Kevin Partensky (Renggli SA), wie moderne Holzsystembaulösungen diese Herausforderung lösen können. Anhand konkreter Praxisbeispiele wurde deutlich, weshalb die industrielle Holzvorfertigung heute zu den effizientesten Methoden für die energetische Sanierung im Bestand zählt.

Der Schlüssel liegt in der Vorfertigung

Der grösste Vorteil der Holzvorfertigung besteht darin, dass ein Grossteil der Arbeiten nicht auf der Baustelle, sondern in der Werkhalle ausgeführt wird. Fassaden-, Dach- oder sogar komplette Raummodule werden unter kontrollierten Bedingungen produziert und anschliessend montagebereit auf die Baustelle geliefert.

Dadurch verlagern sich Lärm, Staub und viele witterungsabhängige Arbeiten von der Baustelle in die Produktion. Die eigentliche Montage vor Ort verkürzt sich erheblich, und die Belastung für Bewohnende und die Nachbarschaft sinkt deutlich.

Nicht nur die Holzbauelemente werden im Werk vorgefertigt, sondern es besteht auch die Möglichkeit, bereits im Werk Fenster, Storen, Wärmedämmungen sowie Fassadenbekleidungen einzubauen.

Energetische Sanierung: Montage Aussenwände

Präzise Planung als Grundlage

Damit die vorgefertigten Bauteile millimetergenau passen, beginnt jedes Projekt mit einer detaillierten Bestandsaufnahme. Moderne 3D-Laserscanner erfassen bestehende Gebäude äusserst präzise und liefern die Grundlage für ein digitales Gebäudemodell.

Mithilfe von BIM lassen sich Anschlüsse, technische Installationen und potenzielle Konflikte bereits in der Planungsphase erkennen. Selbst Unebenheiten, Massabweichungen oder hervorstehende Bauteile aus früheren Bauphasen werden frühzeitig sichtbar und können berücksichtigt werden, bevor die Produktion beginnt.

Diese digitale Planung schafft nicht nur Sicherheit, sondern verbessert auch die spätere Ausführungsqualität und Energieeffizienz.

Qualität aus der Werkhalle

Die Produktion erfolgt mit computergesteuerten CNC-Maschinen. Im Vergleich zur herkömmlichen Baustellenfertigung entstehen dadurch besonders präzise Bauteile unter gleichbleibenden Bedingungen – unabhängig vom Wetter.

Ein weiterer Vorteil: Die industrielle Fertigung ermöglicht eine hohe Luftdichtheit der Gebäudehülle. Dadurch lassen sich ambitionierte Energiestandards wie Minergie oder Minergie-P zuverlässiger erreichen als bei vielen konventionellen Bauweisen.

Nach der Montage bestätigen Luftdichtheitsprüfungen und thermische Kontrollen die Qualität der Ausführung.

Sanieren bei laufendem Betrieb

Besonders interessant ist die Holzvorfertigung bei bewohnten Gebäuden. Wasser, Strom, Zugänge und Verkehrswege müssen während der Bauzeit weiterhin funktionieren.

Dank vorgefertigter Fassadenelemente mit bereits eingebauten Fenstern bleibt die bestehende Gebäudehülle während der Montage weitgehend geschlossen. In vielen Fällen sind die Wohnungen zu keinem Zeitpunkt direkt Wind und Wetter ausgesetzt.

Auch die Baustellenlogistik wird frühzeitig geplant. Die Elemente werden häufig nach dem Just-in-Time-Prinzip angeliefert und direkt montiert. Zusätzliche Lagerflächen sind kaum notwendig, was insbesondere in dicht bebauten Quartieren ein grosser Vorteil ist.

Klare Sicherheitskonzepte, getrennte Verkehrswege und eine transparente Kommunikation mit den Bewohnern tragen zusätzlich zu einem reibungslosen Ablauf bei.

Montage Aussenwand einer energetischen Sanierung

Praxisbeispiele zeigen das Potenzial

Wie wirkungsvoll diese Methode ist, zeigt die energetische Sanierung der Wohnbaugenossenschaft La Sigale in Genf. Die Überbauung aus den 1950er-Jahren umfasst 273 Wohnungen mit rund 19'000 Quadratmetern Energiebezugsfläche.

Ziel war es, den Energieverbrauch deutlich zu senken, erneuerbare Energien einzusetzen, den CO₂-Ausstoss zu reduzieren und die Belastung der Bewohnenden möglichst gering zu halten. Die Gebäude wurden nach dem anspruchsvollen Minergie-P-Standard saniert. Geschlossene Loggien, die Beseitigung von Wärmebrücken sowie eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung verbesserten die Energieeffizienz erheblich.

Dank der hohen Vorfertigung konnte die Bauzeit pro Gebäude auf rund einen Monat begrenzt werden. Die meisten technischen Installationen wurden in neuen Fassaden- und Installationselementen integriert, wodurch Eingriffe in den Wohnungen auf ein Minimum beschränkt blieben.

Ein weiteres Beispiel ist die Sanierung eines Mehrfamilienhauses aus den 1960er-Jahren. Dort wurden über zwölf Meter lange Fassadenelemente mit bereits eingebauten Dreifachverglasungen eingesetzt. Ergänzt wurde die Sanierung durch eine zusätzliche Dachdämmung, eine Photovoltaikanlage und neue Loggien mit faltbaren Verglasungen.

Obwohl die gesamte Sanierung mehr als ein Jahr dauerte, war die Montage der neuen Gebäudehülle nach rund vier Monaten abgeschlossen. Die stärksten Lärmemissionen beschränkten sich auf wenige Wochen, und sämtliche Bewohnende konnten während der Bauzeit in ihren Wohnungen bleiben.

Mehr Komfort, weniger Energieverbrauch

Neben den energetischen Vorteilen profitieren die Bewohnerinnen und Bewohner vor allem von einem höheren Wohnkomfort. Die verbesserte Wärmedämmung und Luftdichtheit sorgen für angenehmere Oberflächentemperaturen an Wänden und Fenstern. Dadurch fühlen sich Räume auch bei niedrigeren Heiztemperaturen behaglicher an.

Gleichzeitig sinken Energieverbrauch, Betriebskosten und CO₂-Emissionen deutlich. Holz und biobasierte Dämmstoffe leisten zudem einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Gesamtbilanz und reduzieren die grauen Emissionen der Gebäudehülle.

Architektonische Freiheit trotz Holzbau

Holzsystembau bedeutet nicht automatisch eine Holzfassade. Die tragende Konstruktion dient als flexible Basis für unterschiedlichste Fassadenlösungen.

Zum Einsatz kommen beispielsweise hinterlüftete Fassaden mit Rockpanel-Platten, klassische Holzbekleidungen, verputzte Fassadensysteme oder moderne Metallfassaden. Dadurch lassen sich sowohl Wohngebäude als auch Schulen, Sporthallen, Gesundheitszentren oder Bürogebäude individuell gestalten.