In den letzten Jahren habe ich viel Erfahrung zur Digitalisierung und Building Information Modeling (BIM) gesammelt. In diesem und dem nächsten Beitrag fasse ich meine wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Seit bald drei Jahren setze ich mich intensiv mit der Digitalisierung in der Baubranche und BIM auseinander, habe dazu verschiedene Arbeiten verfasst und durfte viel Praxiserfahrung sammeln. In meiner Position als BIM Manager Holzbau bei Renggli bin ich sowohl in der Entwicklung, als auch im operativen Bereich tätig. Das Arbeiten in diesen zwei Bereichen ist herausfordernd und unglaublich lehrreich. Im Folgenden fasse ich meine wichtigsten Erkenntnisse aus den letzten Jahren für Sie zusammen.

Wir alle kochen nur mit Wasser

Viele Referate und Artikel zeigen eindrucksvoll auf, was mit BIM bereits umgesetzt wurde und was technisch alles möglich ist. Mehr als einmal hatte ich das Gefühl, dass wir bei Renggli in der Entwicklung zu langsam sind und BIM in anderen Unternehmen bereits breiter angewendet wird. Durch Gespräche mit Beteiligten solcher Vorzeigeprojekte hat sich mein Eindruck jedoch relativiert. Bei diesen umfangreichen, nach BIM erstellten Projekten, handelt es sich um Einzelfälle und damit Leuchtturmprojekten. Der Grund liegt in Faktoren, die wir wenig beeinflussen können, z.B. veraltete Grundlagen in der Baubranche (mehr dazu im zweiten Blogbeitrag). Trotz diesem Umstand gibt es bereits heute viel, was wir unternehmen können, um für den sich schnell ändernden Markt bereit zu sein.

Digitale Transformation ist Change Management

BIM, in seinem ganzen Umfang angewendet, bedeutet eine digitale Transformation zu durchleben und nicht einfach bestehende Prozesse zu digitalisieren. Es handelt sich um eine tiefgehende Veränderung, welche heutige Unternehmensstrukturen in Frage stellt und neue Berufsbilder hervorbringt.

Als Holzbauer brauchen wir beispielsweise Ingenieure, die bereits in der Vorprojektphase ihr Wissen in 3D-Modellen abbilden können und mit diesen die Kommunikation mit den restlichen Ansprechsgruppen führen.

Um eine Vorstellung davon zu erhalten, was es bedeutet, eine neue Software anzuwenden, können wir uns an die ersten Schritte in Word oder Excel zurück erinnern: Die vergleichsweise einfachen Programme machen uns das Leben manchmal heute noch schwer.

Das Erlernen einer neuen Arbeitsmethode fällt uns noch schwerer. Mit Cloud-Lösungen besteht seit längerer Zeit die Möglichkeit, Dokumente gemeinsam zu bearbeiten und mit Hilfe dieser zu kommunizieren. Trotzdem erlebe ich viel zu oft, wie Dokumente kopiert, versendet und in verschiedenen Versionen gespeichert werden. Das ist nicht der Sinn und Zweck von Cloud-Lösungen und kollaborativem Arbeiten.

Möchten wir also mit der BIM-Methode arbeiten, können wir heute mit dem Ansatz «single source of information» und kollaborativem Arbeiten beginnen. So passen wir unsere Arbeitsweise Stück für Stück der neuen Arbeitswelt an, bis wir dieselben Grundsätze auch in umfangreichen BIM-Projekten anwenden. Ich vermute, die Anpassung der Prozesse und der Unternehmensstruktur sind danach die kleineren Herausforderungen.

Eingespielte Projektbeteiligte mit BIM-Wissen bilden die Basis

Der Erfolg von BIM-Projekten hängt auch stark von den Projektbeteiligten ab. Die zentrale Dokumentenablage beispielsweise kommt in digitalen Bauprojekten umfangreicher zum Einsatz. Um das neue System ins Wanken zu bringen, reicht es schon, wenn einzelne Projektbeteiligte sich nicht an die neue Arbeitsmethode halten.

Teams grosser Projekte sind meist «Eintagsfliegen». Ändert sich beim nächsten Projekt das Projektteam oder verlassen einzelne Schlüsselmitarbeitende das Unternehmen, sinkt das BIM-Wissen rapide. Die erzielten Erfolge gehen verloren und man beginnt im nächsten Projekt wieder von vorne.

Die Baubranche befindet sich in einem unglaublichen Wandel, dem alle Beteiligten unterschiedlich gegenübertreten. Bis es genügend Unternehmen und Arbeitskräfte gibt, welche die neue Arbeitsmethode BIM verstehen und auch anwenden wollen, gilt es die richtigen Partner zum Starten zu finden.

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