Wie aus 570 m³ Holz ein durchdachtes System entsteht?

Engineering & Bauphysik

Wie aus 570 m³ Holz ein durchdachtes System entsteht?

Andrea Arnold
Marketing/Kommunikation | 01.05.2026

Der zweite Teil der Blogserie dreht sich um die zentrale Frage «Wie bringt man sechs Stockwerke auf 6’200 m² Geschossfläche, 1’050 Holzelemente und 570 m³ Holz effizient zusammen und das bei höchster Qualität und Ressourcenschonung?»

Im Rahmen eines Renggli-Webinars haben sich die Fachexperten Alexander Stakelbeck (SSA Architekten AG), Andreas Keller und Aaron Müller (Renggli AG) der Frage «Wie reduziert smartes Engineering die Komplexität im Holzbau?» gewidmet.

Ausgangslage: Ein Projekt im Wandel

Die Ausgangslage war anspruchsvoll: sechs Stockwerke, rund 6’200 m² Geschossfläche, über 1’050 vorgefertigte Holz-Elemente und rund 570 m³ Holz und das alles unter der Prämisse, Ressourcen zu schonen und gleichzeitig eine hohe Ausführungsqualität sicherzustellen. Die zentrale Frage lautete: Wie lässt sich ein solches Projekt so planen und umsetzen, dass Komplexität nicht zum Risiko, sondern zum gesteuerten System wird?

Ein wesentlicher Schlüssel lag in der konsequenten Systematisierung des Tragwerks. Symmetrisch angeordnete Innenwände übernehmen dabei nicht nur tragende, sondern gleichzeitig auch raumtrennende Funktionen. Diese intelligente Doppelnutzung ermöglicht eine effiziente Lastabtragung und schafft gleichzeitig eine klare, wiederholbare Struktur für optimierte Deckensysteme. Dadurch konnte nicht nur Material effizient eingesetzt, sondern auch die Planung deutlich standardisiert werden.

 

Im Zuge der Projektentwicklung wurden sämtliche Grundannahmen überprüft. Statt einzelne Disziplinen isoliert zu betrachten, wurden Statik, Bausysteme, Schallschutz und Bauphysik frühzeitig gemeinsam gedacht und aufeinander abgestimmt. Besonders der bewusste Entscheid für Holz anstelle von Beton in weiten Teilen des Gebäudes führte dazu, dass klassische Planungslogiken hinterfragt und neu definiert werden mussten. Diese integrale Betrachtung war entscheidend, um ein konsistentes und funktionierendes Gesamtsystem zu entwickeln.

Ein weiterer zentraler Erfolgsfaktor war die enge Integration aller beteiligten Gewerke in den Planungs- und Bauprozess. Durch den hohen Grad an digitaler Planung und Koordination konnten Schnittstellen früh geklärt und Abläufe optimiert werden. Besonders eindrücklich war dabei die Vorfertigung im Werk: Fenster wurden direkt in die Holz-Elemente integriert, bevor diese auf die Baustelle geliefert wurden. Dadurch konnte die Montagezeit erheblich reduziert und die Qualität der Ausführung deutlich gesteigert werden.

Diese konsequente Vorfertigungsstrategie hatte direkte Auswirkungen auf den gesamten Bauprozess. Während klassische Baustellen oft durch viele Einzelgewerke, Wetterabhängigkeit und hohe Koordinationskomplexität geprägt sind, ermöglichte der hohe Vorfertigungsgrad eine deutlich ruhigere, planbarere und effizientere Bauphase. Das Ergebnis war eine Montagezeit von nur rund vier Monaten.

Foto von einem Element mit drei Fenstern
Bauherrschaft: Eisenbahner-Baugenossenschaft beider Basel (EBG) | SSA Architekten AG

Diese konsequente Vorfertigungsstrategie hatte direkte Auswirkungen auf den gesamten Bauprozess. Während klassische Baustellen oft durch viele Einzelgewerke, Wetterabhängigkeit und hohe Koordinationskomplexität geprägt sind, ermöglichte der hohe Vorfertigungsgrad eine deutlich ruhigere, planbarere und effizientere Bauphase. Das Ergebnis war eine Montagezeit von nur rund vier Monaten.

Im nächsten Beitrag dieser Serie werfen wir einen Blick auf die prozessuale Ebene und zeigen, wie Renggli den Holzbauprozess strategisch neu denkt, von der Entwicklung über die Planung bis hin zur Realisierung.

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