Wie reduziert smartes Engineering die Komplexität im Holzbau?

Engineering & Bauphysik

Wie reduziert smartes Engineering die Komplexität im Holzbau?

Andrea Arnold
Marketing/Kommunikation | 01.05.2026

Im Rahmen eines Renggli-Webinars haben sich die Fachexperten Alexander Stakelbeck (SSA Architekten AG), Andreas Keller und Aaron Müller (Renggli AG) der Frage «Wie reduziert smartes Engineering die Komplexität im Holzbau?» gewidmet.

In dieser dreiteiligen Blogserie zeigen wir, anhand eines konkreten Projekts (Siedlung Birs in Basel) wie sich smartes Engineering im Holzbau entwickelt hat, wie es heute angewendet wird und welche Chancen und Herausforderungen damit verbunden sind. 

Im ersten Teil der Blog-Serie gibt die SSA Architekten AG einen Einblick in das Projekt «Siedlung Birs» in Basel und wie sie mit dem Wunsch eines nachhaltigen Ersatzneubaus umgegangen und vorgegangen sind.

Ausgangslage: Ein Projekt im Wandel

Die Anforderungen an den modernen Holzbau steigen stetig. Nachhaltigkeit, Effizienz und architektonische Qualität müssen in Einklang gebracht werden und das bei gleichzeitig wachsender Projektkomplexität. Wie sich diese Komplexität reduzieren lässt, zeigt das Projekt der Siedlung Birs in Basel, das im Zentrum des Webinars stand.

Ursprünglich als klassischer Massivbau geplant, wurde das Projekt im laufenden Planungsprozess grundlegend überdacht. Die Bauherrschaft und das Planungsteam stellten sich die Frage, wie ein zeitgemässes, nachhaltiges Gebäude heute aussehen müsste und ob eine Umsetzung in Holzbauweise möglich wäre. Diese Überlegung führte zu einem entscheidenden Wendepunkt: Die bereits weit fortgeschrittene Planung wurde geöffnet und gemeinsam mit Fachpartnern neu bewertet.

Architekturmodell des Mehrfamilienhauses Untere Birs
Bauherrschaft: Eisenbahner-Baugenossenschaft beider Basel (EBG) | SSA Architekten AG | Visualisierung: nightnurse images

Die Umstellung auf Holzbau war dabei alles andere als trivial. Sie bedeutete, dass bestehende Konzepte hinterfragt, statische Systeme neu gedacht und zahlreiche Details angepasst werden mussten. Gleichzeitig bot sie die Chance, das Projekt in Bezug auf Nachhaltigkeit deutlich zu optimieren. Insbesondere die Reduktion der CO₂-Emissionen spielte eine zentrale Rolle in der Entscheidungsfindung und zeigte eindrücklich, welches Potenzial im Holzbau steckt.

Alexander Stakelbeck, SSA Architekten AG
Quotes
Die Frage war nicht mehr ob, sondern wie wir heute nachhaltig und zukunftsfähig bauen wollen. Alexander Stakelbeck, SSA Architekten AG

Im Rahmen eines strukturierten Workshopverfahrens wurden unterschiedliche Holzbaukonzepte entwickelt und miteinander verglichen. Dabei ging es nicht nur um technische Lösungen, sondern auch um die Wechselwirkungen zwischen Architektur, Tragwerk und Bauprozess. Die intensive Auseinandersetzung mit Varianten, Details und Kosten führte schliesslich zu einer fundierten Entscheidungsgrundlage für die Bauherrschaft.

Klare Strukturen als Grundlage für smarte Lösungen

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Projekt war die klare architektonische Struktur. Die Grundrisse folgen einem System mit wiederkehrenden Elementen, das sich ideal für die Umsetzung in Holz eignet. Diese Systematik erleichterte nicht nur die Planung, sondern auch die spätere Ausführung und trug dazu bei, die Komplexität beherrschbar zu machen.

Auch konstruktiv wurde bewusst differenziert vorgegangen. Während Erd- und Untergeschoss sowie die Treppenhäuser in Massivbauweise ausgeführt wurden, unter anderem aus Gründen des Brandschutzes und der Stabilität, konnte der darüberliegende Bereich konsequent in Holz realisiert werden. Diese Kombination vereint die Vorteile beider Bauweisen und zeigt exemplarisch, wie hybride Lösungen gezielt eingesetzt werden können.

Visualisierung Innenansicht Wohnung Untere Birs
Architektur: SSA Architekten AG | Visualisierung: nightnurse images

Die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten spielte dabei eine entscheidende Rolle. Durch den frühzeitigen Einbezug von Fachplanern und ausführenden Unternehmen konnten Schnittstellen geklärt, Details abgestimmt und Kosten transparent dargestellt werden. So entstand ein integraler Planungsprozess, der nicht nur die Qualität der Lösung erhöhte, sondern auch die Grundlage für eine effiziente Umsetzung schuf.

Das Projekt der Siedlung Birs macht deutlich, dass Komplexität im Holzbau nicht per se ein Hindernis ist. Vielmehr kommt es darauf an, wie mit ihr umgegangen wird. Klare Strukturen, konsequente Entscheidungen und eine enge Zusammenarbeit ermöglichen es, auch anspruchsvolle Projekte erfolgreich umzusetzen.

Im nächsten Beitrag dieser Serie werfen wir einen Blick hinter die Kulissen des Engineerings bei Renggli und zeigen, wie digitale Werkzeuge und modellbasierte Planung konkret dazu beitragen, Komplexität weiter zu reduzieren.

Weiterführende Informationen zum Thema smartes Engineering