Unverbesserliche Chaletromantiker mal ausgenommen … Wer will ernsthaft dem alten Gipfelrestaurant auf dem Nebelhorn auch nur eine Träne nachweinen? Neben der umwerfenden Aussicht auf die Allgäuer Alpen gibt es nun hier eine Zugabe für Architekturinteressierte.

Es war der Gipfel architektonischer Unzulänglichkeit, dass das alte Hüttenrestaurant bei der Seilbahn den heranschwebenden Gästen die Sicht auf die Bergspitze versperrte. Löst man sich von alpinen Bauschemen, kann man ein Restaurant unter die Aussichtsplattform legen und sich mehr vom Schwung der Topografie leiten lassen. Das neue Nebelhorn-Restaurant ist ein Rundumvergnügen fürs Auge. Die Terrasse folgt mit geschwungener Glasbrüstung den Höhenlinien des Berges. Die vertikal strukturierte Fassade aus gefaltetem Kupferblech hält ästhetisch geschulten Blicken und auch dem Wetter stand. Auf dem Restaurantdach, also der eigentlichen Ankunfts- und Aussichtsplattform, empfängt eine gläserne Bistrobar die Gäste stilvoll. Im Kern hingegen bewegt sich das Restaurant konstruktiv und gestalterisch auf dem Gipfel der Holzbaukunst: Lärche für Bodenbeläge und Wände, Fichte für sämtliche konstruktiven Teile und unbehandelte Esche für alles andere – bis hin zur Täfelung im Innern. Und doch will der Bau nicht alle Blicke auf sich ziehen. Die Show überlässt er selbstlos dem prächtigen Alpenpanorama.

Innenansicht Restaurant Nebelhornbahn mit viel Holz (Wände, Decken, Möbel)
Moderne Wirkung: Unbehandelte Esche mit lebendigen Farbabstufungen.
Foto: Roland Wehinger, Röthis
BauherrschaftNebelhornbahn AG, Oberstdorf D
ArchitekturArchitekten Hermann Kaufmann ZT, Schwarzach D
HolzbauerHTB, Arzl im Pitztal A
KonstruktionKombinierter Stahl-Holz-Bau, Stahlbeton unter Verwendung der vorhandenen Fundamente, Fassade: gefaltetes Kupferblech, Wände und Bodenbeläge im Aussenraum Lärche, innen Braunkernesche und Nadelfilz
NutzungGipfelrestaurant
Fertigstellung2016

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Über den Autor

Markus Gabriel
Markus Gabriel

Markus Gabriel ist Inhaber und Creative Director bei der Agentur Angelink. Er schreibt seit Jahren Texte für das Renggli-Kundenmagazin «Faktor Raum».

Foto Header (Aussenaufnahme): Jürgen Pollak, Stuttgart

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«Holzbau auf 2'224 Metern»

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