Ü60-Wohnungen machen auch für Kinder Sinn

Mehrgeschossiger Holzbau / Mehrfamilienhäuser

Ü60-Wohnungen machen auch für Kinder Sinn

Markus Gabriel
Texter | 21.07.2026

Wenn Genossenschaften neue, bedürfnisgerechte Wohnungen speziell für über 60-Jährige anbieten, werden grössere Wohnungen für junge Familien frei. Das zeigt die Siedlung Lerchenhalde in Zürich.

Mehrfamilienhaus mit grossen Balkonen und einer Dachterrasse
Sehr begehrt: die grosse Gemeinschaftsterrasse im fünften Stock mit prächtiger Aussicht.
Mehrfamilienhaus mit grossen Balkonen und einer Dachterrasse
Wohnraum leer mit Blick auf den Balkon, sichtbare Holzdecke
Einladende Balkone mit toller Aussicht an attraktiver Lage.
Wohnraum leer, Küche und Essraum links, mit Blick auf den Balkon, sichtbare Holzdecke
Barrierefreie Wohnung mit versiegeltem Anhydritboden.
Gemeinschaftsküche mit  zwei Wasserhähnen, rosa-farbene Schränke, ein Baum als Stütze
Wohnung mit Stütze: Tribut an den Baum, der früher hier stand.

Die beiden benachbarten Baugenossenschaften Turicum und Hagenbrünneli unterhalten Liegenschaften am Hönggerberg. Unabhängig voneinander planten beide Ersatzneubauten an derselben Strasse. Beide traten deswegen mit dem Amt für Städtebau der Stadt Zürich (AfS) in Kontakt und erfuhren dort zufällig von den Absichten der jeweils anderen. Synergien lagen förmlich in der Luft. So haben sich beide zusammengesetzt und beschlossen, gemeinsam den Wettbewerb für ein Ensemble von drei Gebäuden, zwei von der Baugenossenschaft Turicum und eines von der Baugenossenschaft Hagenbrünneli, auszuschreiben. Turicum wollte ein in die Jahre gekommenes Hochhaus ersetzen, um den Bedarf an zeitgemässen Wohnungen für Studierende und Familien zu decken. Beim Areal der Baugenossenschaft Hagenbrünneli, gleich südlich davon, drängte sich eine höhere Ausnutzungsquote auf.

Der gemeinsame Architekturwettbewerb kürte den Sieger aus zwölf Projekten

Der Wettbewerb sollte zeigen, wie die unterschiedlichen Gebäude in zusammengehöriger Erscheinung umgesetzt werden könnten. Dass gleich zwölf Architekturbüros eingeladen wurden, war für die schliesslich siegreichen Fischer Architekten eine zusätzliche Motivation: «Zwei Baugenossenschaften als Bauherrschaften, eine herausfordernde städtebauliche Situation sowie ein starkes Teilnehmerfeld waren für uns der grosse Reiz bei diesem Wettbewerb», sagt Miguel Torres, Architekt und Associate bei Fischer Architekten. Ihr Konzept sah drei Neubauten vor, die ähnlich, aber nicht identisch sind. Für die Baugenossenschaft Turicum sollten verteilt auf zwei Baukörper Wohnungen für Familien und Studierende (der nahen ETH Hönggerberg) entstehen.

7 geschossiges Mehrfamilienhaus mit Holzfassade und Bakonen
Haus mit positiver Ausstrahlung auf die Bewohnenden und umgekehrt.
7 geschossiges Mehrfamilienhaus mit Holzfassade und Bakonen
Holzfassade aus Tanne mit Sichtbetonsockel als Basis.
Balkongeländer und Rest des Gebäudes links
Marcus Fauster, Präsident und Vorsitzender der Baukommission, Baugenossenschaft Hagenbrünneli
Quotes
Wir wollten grössere Familienwohnungen wieder freibekommen. Daher haben wir die neuen Wohnungen gezielt an Personen über 60 vergeben. Marcus Fauster, Präsident und Vorsitzender der Baukommission, Baugenossenschaft Hagenbrünneli
Miguel Torres, Architekt und Associate, Fischer Architekten AG
Quotes
Zentral ist für uns die hohe Qualität der Wohnungen – einerseits unter dem sozialen Aspekt, andererseits im Hinblick auf die angenehme Atmosphäre, die durch die Materialisierung und die warmen Farbtöne entsteht. Miguel Torres, Architekt und Associate, Fischer Architekten AG

Hagenbrünneli investiert in eine Hausgemeinschaft für ältere Menschen

Die 57 attraktiven, altersgerechten Wohnungen sollten exklusiv einem Ü60-Klientel vorbehalten sein. Wie in vielen Genossenschaftssiedlungen bleiben ältere Mietende nach dem Auszug der Kinder oft in überdimensionierten Wohnungen. An der Lerchenhalde erhalten quartierverbundene ältere Bewohnende die Möglichkeit, sich zu reduzieren, ohne ihr soziales Umfeld aufgeben zu müssen. Von den frei werdenden Wohnungen profitieren dann junge, wachsende Familien, die Platz benötigen. Der Wohnungsmix der 60PLUS-Wohnungen an der Lerchenhalde bildet 1.5 bis 3.5 Zimmer ab.

Trotz höherer Verdichtung bleibt das landschaftsräumliche Konzept erhalten

Die Siedlung Lerchenberg entstand in den 70er-Jahren im Geiste einer Gartenstadt. Die drei kompakten Neubauvolumen fügen sich nahtlos in dieses Konzept ein, das die Vernetzung der Aussenräume mit dem Quartier propagiert. Die Zusammengehörigkeit des Ensembles unterstreichen die einheitlich gestalteten Holzfassaden aus Tanne mit überhoher Sockelzone in Sichtbeton wie auch die grosszügigen Treppenhäuser, die Raum für Begegnung und Austausch bieten. Renggli war nur bei einem der drei Geschwisterbauten beteiligt: Nur dieser ist ein Holzbau im klassischen Sinn.

Die Baugenossenschaft Hagenbrünneli legte bei ihrem Projekt grossen Wert auf Nachhaltigkeit

«Uns war wichtig, ökologisch und möglichst CO₂-neutral zu bauen. Holz ist für uns eine konsequent nachhaltige Lösung», sagt Marcus Fauster, Präsident und Vorsitzender der Baukommission. Die Vorfabrikation, die zwar minutiöse Planung voraussetze, sei heute so effektiv, dass sie im Nachhinein noch mehr Gewerke bereits bei der Vorfertigung integrieren würden. Zum Beispiel im Bereich Fassadenschalung und Sonnenschutz – was für Renggli kein Neuland gewesen wäre. Neben der Nachhaltigkeit war es der Genossenschaft wichtig, die angehenden Bewohnenden aktiv in ihre Pläne und Überlegungen mit einzubeziehen. So organisierte sie unter anderem einen Seniorenausflug ins Renggli-Werk, wo die moderne Holzverarbeitung bei vielen einen bleibenden Eindruck hinterliess.

Das «Open House Zürich» im Herbst 2025 stiess auf grosses Interesse

Am Tag der offenen Tür konnte die interessierte Öffentlichkeit einen Augenschein von den neuen Gebäuden nehmen. Besonders der Holzbau stiess bei Architektinnen und Architekten wie bei Laien auf grosses Interesse. Die barrierefreien Wohnungen, die grosszügige Terrasse im fünften Stock und das Erdgeschoss mit Gemeinschaftslokal, Tennis-Clubraum und Gewerbe vermittelten den Eindruck eines lebendigen Hauses mit guter Ausstrahlung und einem «guten Groove», wie es Marcus Fauster ausdrückt. Sympathisch fanden die Besuchenden auch die Geschichte der Bäume, die dem Neubau weichen mussten. Einer ihrer Stämme hat in einer Wohnung als sichtbare Stütze an Ort und Stelle ein zweites Leben erhalten.

BauherrschaftBaugenossenschaft Hagenbrünneli
ArchitekturFischer Architekten AG
BauleitungMeier + Steinauer Partner AG
Holzbau-EngineeringTimbatec Holzbauingenieure Schweiz AG
Bauzeit2023–2025
KonstruktionHolzsystembau
FassadeVertikale Holzfassade aus Tanne
Nutzung57 altersgerechte Wohnungen
Leistungen Renggli AGHolzbau (ohne Fassade)

Kontakt aufnehmen

Lukas Schaad

Lukas Schaad

Leiter Projektakquisition Holzbau

+41 62 748 22 72

Quotes
Jedes Bauprojekt beginnt mit einem Gespräch. Erzählen Sie uns von Ihrem Projekt und Ihren Ideen. Wir hören gerne zu.

Über den Autor

Markus Gabriel ist Inhaber und Creative Director bei der Agentur Angelink. Er schreibt seit Jahren Texte für das Renggli-Kundenmagazin «Faktor Raum».

Fotos: Beat Brechbühl, Luzern und Roger Frei, Zürich