Dank längerer Planung schneller bezogen

Bauprozess / Baukosten

Dank längerer Planung schneller bezogen

Markus Gabriel
Texter | 15.04.2026

In Uster zeigt die enge Verknüpfung von Planung und Ausführung, wie man der Komplexität eines Grossprojekts kosteneffizient beikommen kann. Man nennt es Design-Build-Methode.

Ästhetische, konstruktive und ökologische Eigenschaften des Baustoffs Holz erhöhen die Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt.
Nahezu identische Gebäude sind wie geschaffen für die effiziente serielle Fertigung im Werk.

Die Umsetzung in Beton mit Fassaden aus Holz war für die Überbauung «Im Zelg» bereits beschlossene Sache. Gleichwohl erlaubte sich der grösste Immobilienfonds der Schweiz, die Turintra AG (UBS Fund Management (Switzerland) AG), diesen Plan nochmals zu überdenken – aus Nachhaltigkeitsgründen. War es denkbar, die fünf Mehrfamilienhäuser mit total 164 Mietwohnungen eins zu eins auch komplett in Holz umzusetzen – ohne Budgeterhöhung? «Ja», sagte der Geschäftsführer des Gesamtleisters, Rhomberg Bau AG, Philipp Hirt, wenn einerseits die geplante Tiefgarage zugunsten eines nachhaltigeren Mobilitätskonzepts reduziert wird und wenn sich andererseits mit der Design-Build-Methode alle Gewerke auf dieses Ziel einschwören. Doch der Reihe nach.

Total 164 grosszügige Mietwohnungen in 5 Mehrfamilienhäusern, die dank Holzbauweise 6300 Tonnen CO2 einsparen.
Moderne, offene Wohnungen mit ausgezeichnetem Ausbaustandard.
Attikawohnungen auch in Uster: Objekte der Begierde.
Die durchgängige Holzfassade schafft eine warme, ruhige Atmosphäre und verleiht dem Quartier eine natürliche Eleganz.

Der Design-Build-Ansatz ist eine Win-win-win-Methode

Der Richtungswechsel in dieser fortgeschrittenen Phase des Projekts war ambitioniert – auch wenn die nahezu identischen Gebäude wie geschaffen für die effiziente serielle Fertigung im Werk waren. Und mit den innovativen, biegesteifen TS3-Deckenelementen der Firma Timbatec liess sich das architektonische Konzept ohne Tragbalken auf die Holzbauweise übertragen. Dank des neuen Zusammenarbeitsmodells «Design Build» wurden alle Baupartner schon in der Planungsphase eingebunden, wodurch Lösungen entwickelt werden konnten, die das Budget einhalten. Das ist die Quintessenz der Design-Build-Methode, die sich als Win-win-win-Methode für Kundin, Partner und Investorin herausstellen sollte. Die Planungsphase nimmt dabei mehr Zeit in Anspruch, und man könnte meinen, die Kosten im Holzbau müssten steigen. Aber wenn sich damit die Bauarbeiten bei so einer grossen Überbauung um bis zu einem Jahr verkürzen lassen, dann sieht die Gesamtkostenrechnung gleich wieder anders aus: Die früher realisierten Mieteinnahmen gleichen nämlich die Mehrkosten locker aus.

Philipp Hirt, Geschäftsführer, Rhomberg Bau AG
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Wir haben in Uster Baustellen-Events durchgeführt – der Andrang von Branchenkollegen war gross und das durchwegs positive Feedback hat uns zusätzlich bestärkt. Philipp Hirt, Geschäftsführer, Rhomberg Bau AG
Philemon Ruf, Projektmanager Holzbau und Teamleiter Kalkulation, Renggli AG
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In den 20 Jahren bei Renggli hatte ich nie ein Projekt, das so reibungslos, so auf Augenhöhe und mit solch gegenseitigem Vertrauen funktioniert hat – trotz der Grösse! Philemon Ruf, Projektmanager Holzbau und Teamleiter Kalkulation, Renggli AG

Übergreifende Planung hilft auch, Schnittstellen zu reduzieren

Die Bauzeit zu verkürzen, ohne Kompromisse bei der Qualität einzugehen, bedingt einen deutlich höheren Vorfertigungsgrad. Es ging nicht mehr nur darum, Wand- und Fassadenelemente für den Bauvortrieb bereitzustellen. Dieses Mal sollten zudem nebst der Fassade auch Fenster, Absturzsicherungen und sogar Storen bereits im Werk integriert werden. Das erforderte von den Fachplanern nicht nur präzise Planung, sondern auch ein Umdenken bei den Abläufen. Ausgezeichnet geklappt hat das beispielsweise mit der Fensterbauerin 4B, die bevorzugte Fensterpartnerin der Renggli AG. 4B hat sich auf das Design-Build-Setting eingelassen und 747 Fenster perfekt in Qualität und on time für die passgenau Montage im Renggli-Werk angeliefert. Das bedeutet: wieder eine Schnittstelle weniger auf der Baustelle, wieder ein Zeitgewinn.

Die Erstellungszeit für ein Gebäude (inkl. Dach und Fenster) beträgt dank Vorfertigung bloss sieben Wochen für die Rohbaumontage.
Bauen in Etappen bringt wirtschaftliche sowie technische Vorteile und eine rasche Bauzeit mit sich.

Flexibilität manifestiert sich oft in erfolgreichen Workarounds

Der Wechsel von Beton zu Holz brachte weitere Herausforderungen mit sich. Besondere Aufmerksamkeit erforderten die Schallbrücken zur Vermeidung von Trittschall. Ausserdem: Die Haustechnik, die in die Betondecken eingelegt worden wäre, findet in Holzdecken keinen Platz. Darum werden nun die Leitungen in den Regelgeschossen und dem zurückversetzten Attikageschoss in heruntergehängten Gipsdecken in den Nasszellen und den Korridoren geführt. Bei einem Neubauprojekt würde man hier allenfalls die Geschosshöhen höher planen, damit im Bereich der heruntergehängten Decken mehr Raumhöhe bleibt.

Wenn es noch ein schlagendes Argument braucht: Wood sells

Um die Kosten weiter zu optimieren, haben sich die Bednar Steffen Architekten für eine sägeroh vorvergraute Holzschalung in Fichte entschieden anstelle einer druckimprägnierten Weisstanne mit Farbe. Damit der Wohnraum mit dem Aussenraum optisch verbunden ist, wurde die Balkonuntersicht mit einer Brettsperrholzplatte aus Naturfichte realisiert.

Diese ästhetischen wie auch die konstruktiven und ökologischen Eigenschaften des Baustoffs Holz erhöhen die Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt. Für verantwortungsvolle Mietende fühlt es sich gut an, in einer Siedlung zu wohnen, die aufgrund der Bauweise 6300 Tonnen Kohlenstoff CO2 im Holz bindet. Mit einer geschickten Planung konnte das Budget eingehalten werden und es sind Mehrwerte entstanden, die alle Beteiligten überzeugen – allen voran die unter anderem vom Innenausbau begeisterten Mietenden, aber ebenso die verschiedenen Baupartner, die in einer neuen Zusammenarbeitsform neue Erkenntnisse gewinnen und viele positive Rückmeldungen – auch von Branchenkollegen – einstreichen konnten. Und nicht zuletzt ist es für die Investorin eine Erfolgsstory und Motivation zugleich, auch in Zukunft Immobilienrenditen in der Nachhaltigkeit von Holzbauten zu suchen.

InvestorinTurintra AG (UBS Fund Management (Switzerland) AG)
ArchitekturBednar Steffen Architekten AG
GesamtdienstleisterRhomberg Bau AG
Engineering: Statik und BausystemRenggli AG in Zusammenarbeit mit Timbatec Holzbauingenieure Schweiz AG und Timber Structures 3.0 AG (TS3)
Baujahre2024–2026
KonstruktionHolzsystembau mit TS3-Deckenelementen
Nutzung5 Mehrfamilienhäuser mit total 164 Mietwohnungen
Labels und ZertifikateMinergie-Eco, Natur und Wirtschaft
Leistungen Renggli AGHolzbau-Engineering (Statik und Bausystem)
Holzbau

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Lukas Schaad

Lukas Schaad

Leiter Projektakquisition Holzbau

+41 62 748 22 72

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Über den Autor

Markus Gabriel ist Inhaber und Creative Director bei der Agentur Angelink. Er schreibt seit Jahren Texte für das Renggli-Kundenmagazin «Faktor Raum».