Zurück zu den Wurzeln von Schwamendingen

Bauprozess / Architektur

Zurück zu den Wurzeln von Schwamendingen

Markus Gabriel
Texter | 08.07.2026

In Schwamendingen wurden schon in den Vierzigerjahren des letzten Jahrhunderts städtebauliche Meilensteine gesetzt. Das Mehrfamilienhaus Luegisland 350 knüpft nahtlos daran an.

5-geschossiges Mehrfamilienhaus mit Vor- und Rücksprüngen, davor der Gemeinschaftsgarten mit Hängematte, Tisch und Grillstelle
Elegante Farbwahl, die begeistert: hinterlüftete Fassade aus Fichtenholz in zwei abgestuften Silbertönen.
5-geschossiges Mehrfamilienhaus mit Vor- und Rücksprüngen, davor ein grosser, gedeckter Parkplatz für Velos
5-geschossiges Mehrfamilienhaus mit Vor- und Rücksprüngen von der schmalen Seite her gesehen

Der Begriff Gartenstadt ist eng mit Schwamendingen verknüpft

Er erklärt in einem Wort das Konzept hinter dem Bauboom, der damals die Agglomeration von Zürich erfasste: modernes Wohnen auf konzentriertem Raum, aber eingebettet in unbebaute Grünflächen. Schon damals rechneten die Städteplaner die grüne Umgebung der typischen Schwamendinger Wohnhäuser zur Wohnqualität hinzu und trugen ihr entsprechend Sorge. Wie schon der Name vermuten lässt, ist das beim Mehrfamilienhaus Luegisland 350 an der Luegislandstrasse nicht anders. Alte und neue hochstämmige Grossbäume – oder besser gesagt deren Wurzeln – profitieren von minimalen Versiegelungsflächen, ebenso wie die einheimischen Gehölze und Sträucher, die im Sommer kühlend zu einem angenehmen Mikroklima beitragen. Eine für die Gebäudegrösse übliche Tiefgarage hätte dem Wurzelreich der Gewächse einen betonharten Strich durch die Rechnung gemacht. Der Unterbau hätte die Grundfläche des Gebäudes weit überragt und den Wurzeln der stämmigen Nachbarn den Platz geraubt. Das kam für die Bauherrschaft, Mylène und Reto Ruoss, nicht infrage: Die Überbauung sollte praktisch autofrei, dafür mit fast 100 Veloabstellplätzen ausgestattet sein.

Foto von der Dachterrasse, im hintergrund die weiteren gestaffelten Dachterrassen.
Grosszügig dimensionierte Aussenflächen und gewahrte Privatsphäre dank gestaffeltem Baukörper.
Eingangshalle mit Treppe und zwei Litfasssäulen
Die Eingangshalle lädt zu nachbarschaftlichem Austausch ein und das Treppenhaus erstrahlt in stilvoll abgestimmten Farben.
Wohnung mit sichtbarem Holz an Decke, Sicht auf Balkon mit Schiebetüren, im Hintergrund die grüne Kücheninsel
Geräumige Wohnungen mit hochwertigem Ausbaustandard.
Wohnung mit sichtbarem Holz an Decke, Sicht auf Balkon mit Schiebetüren, im Hintergrund die grüne Kücheninsel
Farblich abgesetzte Kochinseln mit Stauraum Richtung Esszimmer.
Mylène und Reto Ruoss, Bauherrschaft
Quotes
Wir wollten eine langfristige, solide Kapitalanlage mit beliebten Wohnungen in einem nachhaltigen Bauwerk. Mit dem Resultat sind wir sehr zufrieden. Mylène und Reto Ruoss, Bauherrschaft
Jonas Hertig, Projektleitender Architekt, Oxid Architektur GmbH
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Wir haben eine präzise, kosten- und terminsichere Umsetzung von Renggli gewünscht – und diese auch erhalten. Jonas Hertig, Projektleitender Architekt, Oxid Architektur GmbH
Luegisland 350 in Zürich: private Investoren bauen ökologischen Holzbau mit Mobilitätskonzept

Das Gebot der Verdichtung kann Architekten beflügeln

Dass der Ersatzneubau eines Schwamendinger Wohnhauses bei aller Liebe zur Tradition nicht mehr auf damalige Raumkonzepte zurückgreifen kann, war für die Planer von Oxid Architektur ebenso klar wie knifflig. Die wirtschaftlichen Herausforderungen und die allgemeinen Wohnstandards sind gestiegen, nicht aber die verfügbare Fläche. Wo einst 18 Wohnungen mit bescheidenem Wohnkomfort zur Verfügung standen, bietet das neue Mehrfamilienhaus auf zeitgemässe Weise einen deutlich höheren Standard für 34 Mietparteien. Diese beeindruckende Flächenvermehrung schafft der im Grundstück diagonal angelegte, gestaffelte Baukörper. Er sorgt nicht nur für die gewünschte Privatsphäre, sondern auch für freien Lichteinfall in jeder Wohnung. Sehr geschickt ermöglicht diese Gebäudestruktur zudem grosszügige Aussenflächen, die als Loggien und Terrassen die Attraktivität der Wohnungen erhöhen.

Spannende Kennzahlen

0
m3 Holz verbaut
0
Tonnen CO₂ gebunden
0
Wohnungen geschaffen
Fahrradparkplatz mit Cargo-Velos im Vordergrund
Oberirdischer Fuhrpark: Gedeckte Veloständer anstelle einer Tiefgarage.

Eine zentrale Eingangshalle erschliesst mit zwei Treppenhäusern 34 Wohnungen

Die 2.5- bis 4.5-Zimmer-Wohnungen sind über zwei Treppenhäuser erreichbar, die in der gemeinsamen Eingangshalle zum Ort für Begegnungen zusammenlaufen. Diese Treppenhäuser standen im Mittelpunkt eines neuen Bauverfahrens, das die Bauzeit des Gebäudes um weitere drei Monate verkürzte. Statt nach dem üblichen Vorgehen «Zuerst Beton, dann Holz» vorab eine Betonsäule zu errichten, legte hier der Holzbau vor und brauchte nicht mehr zu warten, bis der Beton trocken war. Mit einem Gebäude dieser Grössenordnung dank Holzbau sechs Monate früher am Markt zu sein, ist für jeden Investor ein relevanter Erfolgsfaktor.

Hoher Komfort, kleiner Fussabdruck, das war das Ziel der Bauherrschaft

Gleichzeitig sollte sich das Projekt als eine langfristige, solide Kapitalanlage bewähren. Aus dem Wettbewerb ging Oxid Architektur mit Unterstützung von Renggli siegreich hervor. Dem bewährten Tandem gelang es, die baurechtlichen und räumlichen Beschränkungen in einem attraktiven Marktangebot aufzulösen, weshalb Renggli auch den Zuschlag als Totalunternehmer bekam. Mit einem Bau, der vom Amt für Städtebau für seinen vorbildlichen städtebaulichen Ansatz gewürdigt wurde. Holz, nicht nur an der Fassade, war für die Auftraggeber von Anfang an gesetzt. Am Ende konnte Renggli insgesamt 1130 Kubikmeter Holz verbauen und
damit 1036 Tonnen CO2 binden. Luegisland 350 stösst mit seiner auffälligen silbergrauen Fichtenholzfassade auf viel positive Resonanz. Auch in der Branche gilt das Mehrfamilienhaus als Vorzeigestück für klimagerechtes und ressourcenbewusstes Bauen. «Jedermann ist beeindruckt von der kurzen Bauzeit und der hohen Qualität der Architektur und der Ausführung», fasst es Bauherr Reto Ruoss zusammen. Wen wundert’s, dass keine der Wohnungen lange auf Mietende warten musste.

BauherrschaftMylène und Reto Ruoss
ArchitekturOxid Architektur GmbH
Baujahre2024–2025
KonstruktionHolzsystembau
FassadeHolzfassade vertikal und horizontal, Vorvergrauungs-Behandlung in zwei Farben
NutzungMehrfamilienhaus mit 34 Mietwohnungen à 2.5 bis 4.5 Zimmer
Leistungen Renggli AGTotalunternehmung
Holzbau-Engineering (Statik und Bausystem | Brandschutz | Energie, Wärme- und Feuchteschutz)
Holzbau

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Stephan Frey

Stephan Frey

Key Account Manager

+41 41 925 25 14

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Über den Autor

Markus Gabriel ist Inhaber und Creative Director bei der Agentur Angelink. Er schreibt seit Jahren Texte für das Renggli-Kundenmagazin «Faktor Raum».

Fotos: Beat Brechbühl, Luzern und René Dürr, Zürich